Sphärenmusik in der illuminierten Friedenswarte in Brandenburg an der Havel

Geschichtliches

Zunächst einige Links die zur Stadtgeschichte informieren, sodann folgt ein eigener Text zur Geschichte des Halungerberges, der heute Marienberg genennet wird. 

 

Eine Chronik zur Stadtgeschichte

 

Die Stadt Brandenburg bei Wikipedia

 

Geschichtliches zur Mark Brandenburg

 

Geschichte des Domes zu Brandenburg

 

Der historische Verein Brandenburg / Havel

 

 

Historisches zum Marienberg nebst Friedenswarte

Vorwort

Ein Besucher dieser Internetseite fragt im Gästebuch nach der Herkunft des Namens „Friedenswarte“. Um diese Frage umfassend zu beantworten habe ich hier einen kleinen Text verfasst, der die Geschichte des Marienberges und die Bedeutung des Berges für die Bewohner der Gegend erläutert. Zur Umbenennung der vorherigen Bismarckwarte in „Friedenswarte“, dem Abriss dieser alten Warte und dem Neubau der heutigen Friedenswarte habe ich im Stadtarchiv Brandenburg recherchiert und eine im Jahre 2000 von der BAS verfasste, und von Herrn Brekow zur Verfügung gestellte Broschüre „Der Marienberg zu Brandenburg an der Havel- Vergangenheit und Gegenwart“ zu Rate gezogen. Der folgende Text stützt sich im Wesentlichen auf diese Broschüre, welche aber ihrerseits detaillierte Entwicklungen auf dem Berge genauer wiedergibt und dem interessierten Leser empfohlen werden kann (einfach mal telefonisch bei Herrn Brekow anfragen: Tel. 03381 / 250688). Was aber die Umbenennung der Warte anbelangt, so kann ich über die erwähnte Broschüre hinausgreifen in dem Bemühen, einen wahrheitsgetreuen Bericht zu liefern, der von den damaligen politischen Umständen in der DDR und ebenso von der heutigen Politik gänzlich unabhängig ist und nur die Frage des werten Besuchers dieser Seite sachlich beantworten möchte.

 

Jeder weiterführende Beitrag jedoch ist herzlich erwünscht. Es wäre auch schön, wenn hier ein Diskussionsforum zur Geschichte des Berges und der Warte entstünde, wo jeder geneigte Heimatforscher seine Überlegungen wiedergeben kann.

Der Harlungerberg

Der Marienberg hieß ursprünglich Harlungerberg und entstand in der letzten Eiszeit vor etwa 18000 Jahren. Davon zeugen Kies-, Sand- und Lehmschichten sowie die in der Mitte des 19. Jhs. an der Nordseite des Berges entdeckten Bernsteinfunde. Der Berg ist seit über tausend Jahren mit der Geschichte der Menschen in unserem Gebiet innigst verbunden- ob als heiliger Ort verehrt, als Denkmalstätte, Ausflugsziel oder einfach nur als Aussichtspunkt- mit seinen 68,6m Höhe überragt er das umgebende Tiefland um etwa 40 Meter.[1]

 

Der Sage nach entstand der Marienberg vor tausenden von Jahren, als in unserer Gegend das Geschlecht der Riesen wohnte. Da begab es sich, dass eine Tochter der Riesen im märkischen Sande spielte. Sie grub eine Mulde und schaufelte den Sand in ihre Schürze als sie plötzlich vom Teufel überrascht wurde. Das Kind sprang rasch auf und wollte mit dem Sand in der Schürze flüchten! Im Forteilen aber riß ein Schürzenband unter der Last und der Sand schüttete auf die Erde nieder. Der riesige Haufen blieb dort liegen und bildet unseren Harlungerberg. Die Mulde dagegen lief mit der Zeit mit Havelwasser  voll und es entstand so der Beetzsee.[2]

 

Schon 1166 erscheint in Urkunden geistlicher Aussteller der Harlungerberg. Der Name rührt von einer germanischen Götter- und Heldensage her. Die Harlungen sind ein sagenhaftes Heldenbrüderpaar, Edgar und Ake, Söhne des Dietrich von Bern. Sie waren überaus reich und fürchteten ihre Schätze zu verlieren, denn der habgierige und durchtriebene Onkel und Gotenkönig Ermanrich sann nach einem Weg sich der Reichtümer zu bemächtigen. So fanden die Brüder ihren tragischen Untergang. Ermanrich ließ sie erhängen wegen ihres Goldhortes unter dem Harlungerberg- doch dieser war dann garnicht zu finden.

 

Darum aber gibt es so manche Harlungerberge in Deutschland, denn das Volk liebt es in auffallend hervortretenden Bergen geheimnisvolle Schätze zu vermuten.[3] Möglicherweise stammt der Name aber auch von niederländischen Einwanderern her, denn südlich des Marienberges befand sich einst die Siedlung Harlungathe, die in Urkunden bereits 1195 und später im 14. Jahrhundert genannt wurde.[4]

 

Der Harlungerberg war bis ins 10. Jh. dicht bewaldet und diente wahrscheinlich schon im 3. Jh. dem germanischen Stamm der Semnonen als Kultstätte. Nach der Einwanderung der Slawen (Wenden) in das Havelland im 6. Jh. bestand bis zur Eroberung Brandenburgs durch den deutschen König Heinrich im Jahre 929 auf der Bergkuppe ein Heiligtum der Slawen. Dieser hölzerne Tempel mit einem Götterstandbild war dem dreiköpfigen Triglaw- der höchsten slawischen Gottheit- geweiht. Die drei Köpfe des Triglaw sollen aus Silber gewesen sein, wobei Mund und Augen der Gesichter durch eine goldene Binde bedeckt gewesen sein sollen. In einem kleineren benachbarten Tempel hatten die Slawen ein Orakel, das Fragen beantworten konnte. Hier wurden die Bewegungen eines Pferdes, das über Speere die am Boden ausgelegt wurden, hinweglief, gedeutet. An dieser Stelle wurden dem obersten Gotte der Slawen auch Brandopfer dargebracht!

Nach dem großen Aufstand der Slawen im Jahre 983 wurde das zwischenzeitlich von den Deutschen entfernte Heiligtum neu errichtet. Um 1136 aber beseitigte es der letzte Wendenfürst Pribislaw nach seinem Übertritt zum Christentum und ließ eine kleine christliche Kapelle, die der Jungfrau Maria geweiht war, an derselben Stelle auf dem Berg bauen. Der vom Berg entfernte Triglaw war der Überlieferung nach noch bis 1526 erhalten und wurde dann dem dänischen König Christian geschenkt, der die Figur noch in seinem kopenhagener Schloß aufbewahrt haben soll.[5]

Die Marienkirche

Dieser kleinen christlichen Kirche folgte dann eine zwischen 1220 und 1230 nach byzantinischem Vorbild gebaute Kirche, die Marienkirche. Sie gab dem Berg auch seinen heutigen Namen. Papst Honorius III. (eigentlich Censius SAVELLI, Papst vom 18. 7. 1216 bis zum 18. 3. 1227) verkündete zur Erbauung dieser Kirche in den Frühlingstagen des Jahres 1222 einen reichen Ablaß von 20 Tagen und Freispruch von allen Sünden allen denen, die am Tage Mariä Geburt zum Harlungerberg wallfahren und den Bau der Marienkirche durch Gaben fördern würden. Ablässe konnten zu dieser Zeit nur vom Papst verkündet werden.[6]

 

„Der kühne Meister aber, der, mag er auch aus einer sächsischen Bauhütte hervorgegangen sein, hier etwas unerhört Neues wagte und im Grundriss seiner Schöpfung die Form des griechischen, von einer Mittelkuppel gekrönten Kreuzes, das an orientalische Kreuzkirchen erinnert, mit einem romanischen Muschelabschluß der Kreuzflügel vereinigte und den Bau dann noch durch vier viereckige stattliche Türme bereicherte, stand ganz auf der Höhe der Kunst seiner Zeit. Im Inneren unternahm er gleichfalls etwas Neues und wölbte über dem mittleren Rechteck eine flache Mittelkuppel- der erste Versuch dieser Art in der Mark.“[7]

 

Obwohl Otto Tschirch, von dem das letzte Zitat genommen wurde, wohl der bekannteste Heimatforscher ist und man sich in vielen Schriften auf ihn bezieht, ist nicht zu verstehen, auf welche Mittelkuppel er sich hier bezieht- die Marienkirche hatte keine Kuppel (siehe auch folgende Abbildung). Außerdem gab es etliche Kirchen auf griechischem Kreuzgrundriß, z.B. die 1170 erbaute fünftürmige Frauenkirche von Kalundborg in Dänemark (siehe http://www.noah2900.dk/images/kirke_5.jpg).

 

In der Anlage der in die Kreuzarme gestellten Westtürme und den äußeren Zierformen scheint die Magdeburger Liebfrauen- Klosterkirche (Westturmfront 1129) Pate gestanden zu haben.  

 

„Mit ihren vier 37,7 m hohen Ecktürmen und der 20 m hohen Halle, die von 16 Pfeilern getragen wurde, war die aus glänzenden Klinkern errichtete Kirche das prächtigste Zeugnis der norddeutschen Backsteingotik gewesen. Der großartige Bau war einmalig in Deutschland. Die Kirche war 31,4m lang und 26,4m breit. Zwischen den Türmen befanden sich halbrunde Apsiden. Im Inneren befand sich ein „wundertätiges“ Marienbild, das zwischen dem Beginn des 13. Jahrhunderts und dem Anfang des 16. Jahrhunderts Heerscharen von Pilgern aus ganz Deutschland anlockte.“[8]

 

Altstadt Brandenburg an der Havel 1582

Die Kirche zeigte im Osten eine ausgedehnte Emporenanlage, von der herab das wundertätige Marienbild der im Queerschiff versammelten Menge gezeigt wurde. Dieser bedeutendste Sakralbau in der Mark wurde vom Papst zur Wallfahrtskirche erklärt. Zur Wallfahrtskirche auf dem Marienberg, mit ihren vier in goldenen Kugeln auslaufenden Türmen weit in die Lande hinaus grüßend, pilgerten an den Marienfesten gewaltige Scharen um die Wunderkraft des Marienbildes zu erproben.[10]

 

Älteste Abbildung des nordwestlichen Teils der Aldstadt Brandenburg (1582). Nach der Urhandschrift der Chronik des Zacharias Garcäus, die sich in der fürstlichen Bibliothek zu Wernigerode befindet.[9]

 

Besondere Feierlichkeiten mit Tausenden von Besuchern fanden zu Ostern, Fingsten, Himmelfahrt und jeweils in der Woche vor dem 8. September statt. Große Prozessionen führten an diesen Tagen von der Stadt auf den Berg hinauf. Angeführt wurde der Zug von den Domherren, denen die Stadträte der Alt- und Neustadt, die Gilden und die Bewohner der Städte folgten. Das hochberühmte Bildnis der Mutter Gottes wurde zu diesen Anlässen im Freien vor der Marienkirche aufgestellt. Aber auch sonst war lautes kirchliches Getriebe auf der Höhe: Die drei Mönchsorden: Predigermönche, Minderbrüder und Augustiner (Prämonstratenser) wechselten in strenger Ordnung an den kirchlichen Festtagen ab.

 

„Schon zu dieser Zeit wurde auf der Südseite des Berges Wein angebaut. Erstmals wurden Weinreben 1173 auf dem Marienberg urkundlich erwähnt, womit es sich um eines der ältesten Weinanbaugebiete Norddeutschlands handeln dürfte. Strenge Winter in den Jahren 1437 und 1741 führten aber dazu, daß fast alle Weinreben eingingen.“[11]

 

 „Wie der Kultus der Wandlung, so steht die Marienverehrung auch in Brandenburg im Vordergrund des katholischen Gottesdienstes. Schon im 13. Jahrhundert hatte die religiöse Begeisterung dem wundertätigen Bilde der Himmelskönigin ein wundervolles Haus auf dem Marienberge geschaffen, aber der Zustrom der Pilger scheint um die Mitte des 14. Jahrhunderts nachgelassen zu haben, denn nach dem Tode des Priesters Gebhart von Stechow, der an der Bergkirche das Amt versah, wird auf die Anstellung eines eigenen Geistlichen verzichtet und der Kapellendienst den Domherren abwechselnd übertragen.“[12]

 

1384 wurde mit dem Bau der Wunderblutkirche in Wilsnack begonnen, die, gefördert durch das mit Brandenburg konkurriernde Bistum Havelberg, die Pilger und ihr Geld an sich zog. Das allgemeine Schwinden der Anziehungskraft von Wallfahrtskirchen in der Mitte des 15. Jhs. ist v. a. auf die reformatorische Hussitenbewegung zurückzuführen.

 

„Um die während der Raubritterzeit zu Anfang des 15 Jhs. zeitweilig verödete Marienkirche wieder zu beleben, ließ der brandenburgische Kurfürst Friedrich I. am 25. September 1435 in der Nachbarschaft der Kirche das Prämonstratenser- Kloster „Unser Lieben Frauen auf dem Berg“ errichten. Dieses bestand zwar noch bis zum Jahr 1539, doch durften nach der Reformation seit 1529 auf Anweisung des Kurfürsten Joachim keine neuen Mönche mehr aufgenommen werden. Kurfürst Friedrich II. hatte im Jahre 1443 dem 1440 entstandenen ritterlich- märkischen Schwanenorden die St. Leonhard- Kapelle gestiftet, die als Anbau an der Marienkirche errichtet wurde.“... „ Neuartig war, dass dem Orden auch Frauen angehören durften. Der Schwanenorden, der in Deutschland noch bis 1554 bestand, erlosch 1528 auf dem Marienberg. Der Verfall der Marienkirche und des Klosters begann.“[13]

 

„Aber als 1526 der der alten Lehre ergebene Dietrich von Hardenberg starb, und nach einiger Verzögerung zwei Jahre später der bisherige Havelberger Domprobst Mathias von Jagow, ein milder, einsichtsvoller Prälat, die Zügel der bischöflichen Regierung ergriff, bahnte sich eine günstige Wendung für die neue Lehre an. Die Verödung der Gotteshäuser und die wachsende Kirchenfeindlichkeit  des Volkes, ebenso wie der unaufhaltsame Rückgang der kirchlichen Einnahmen, mahnte den Bischof, den reformatorisch gesinnten Bürgern Zugeständnisse zu machen.

 

Und so scheint er schon früh gestattet zu haben, dass in der Katharinenkirche die Messe in deutscher Sprache gelesen wurde...“[14]

 

Bestimmend scheint gleichwohl die ehrwürdige Person des Thomas Baitz, des damaligen Pfarrers von St. Katharinen gewesen zu sein, der sich allmählich zu einem Anhänger Luthers entwickelte. Dieser erste Verkünder der Lutherlehre ermöglichte es, die Brandenburger Kirche ohne Erschütterungen friedlich der neuen Lehre zuzuführen.  

 

Mit der Reformation aber gingen Kloster und Kirche auf dem Harlungerberg einem traurigen Schicksal entgegen. Schon zu dieser Zeit wurden Mauersteine von den Gebäuden abgebrochen und für Bauwerke auf dem Dom (Mauer um die Petrikapelle) genutzt. Das Stift der Prämonstratenser entvölkerte sich rasch und verödete, bald suchten Diebe die Wallfahrtskirche heim. Glocken und Messgewänder kamen in den Dom zu Brandenburg und in den Dom zu Kölln. 1543 ließ Kurfürst Joachim II. den Stiftssitz durch Beamte beschlagnahmen. Die Bibliothek wurde von Brandenburg weggeführt und bleibt bis heute verschollen. Kirche und Klostergebäude verwandelten sich in kurzer Zeit in Ruinen, die 1551/2 dem Domkapitel übertragen wurden. Zu dieser Zeit lagerten im Klosterkeller noch die Weinvorräte des Kurfürsten, die aber bald von trinkfreudigen Vagabunden ausgeplündert wurden. Am Ende des 16. Jhs. waren die Turmspitzen des Gotteshauses schon zusammengebrochen, das Gebäude diente bereitwillig als Steinbruch.

 

Der preussische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ die Ruine dann gänzlich abreißen. Die Abrißarbeiten begannen am 20.April 1722. Der Grund der Zerstörung war, dass man in den Gewölben der Kirche Schätze zu finden hoffte, aber bis auf ein unterirdisches Gewölbe (Krypta) unter der Kirche kam nichts des Ersehnten zum Vorschein. Der Sage nach soll auch ein unterirdischer Gang von der Marienkirche zum Dom bestanden haben, den Domherren und Mönche benutzt haben sollen. Ein solcher wurde jedoch durch die Abraumarbeiten nicht sichtbar. Einen Teil der Steine der Marienkirche ließ der König nach Potsdam zum Bau des Militärwaisenhauses bringen. In Brandenburg sind das Frey- Haus (ehemals Haus des Obersten von Massow) in der Ritterstraße- das heutige Museum, das Vorwerk Massowburg sowie einige Weinmeisterhäuschen am Marienberg mit den Steinen der Marienkirche gebaut, zudem besserte man die Stadtmauer damit aus. Der bei der Sprengung der festeren Kirchenmauern entstandene Schutt lag dort oben noch lange bloß und diente 1805 zur Befestigung der Chaussee nach Plaue. Das transportieren der Steine erwies sich später teurer als das etwaige Brennen neuer Steine. 1849 erwägte der preussische König Friedrich Wilhelm IV. einmal den Wiederaufbau der Kirche, doch sollte es dabei bleiben.

 

Für kritische Historiker werden nun 6 Thesen von Günther Böhm angeführt, die mögliche Perspektiven auf historische Unwägbarkeiten darstellen. Diese könnten zur Anregung des Denkens oder als mögliche Ansätze geschichtlichen Forschens dienen.

 

 

These 1:

Die Marienkirche ist nicht erst 1222 sondern bereits im 12. Jahrhundert, vermutlich als Sühneopfer und Grablege des Hevellerfürsten Pribislaw und seiner Familie errichtet worden. Dabei muss es sich vor allem um die Ostapsis und vielleicht auch die beiden östlichen Turm-Untergeschosse gehandelt haben. Im 13. Jh. erhielt die Kirche ihre endgültige äußere Gestalt, im 14. und 15. Jh. wurden Aus- und Anbauten vorgenommen.

 

These 2 (eigentlich eine Vorbedingung für 1):

Das Dorf Parduin war nicht, wie allgemein angenommen, eine erste Ansiedlung von flämischen Flutopfern in der Mark Brandenburg (Parduhne soll angeblich flämisch sein und Flutkanal bedeuten - obwohl die ersten dörflichen Siedler sicher nicht an solche städtischen und wehrtechnischen Anlagen gedacht haben dürften), sondern die ans andere Havelufer verlegte Siedlung der ehemaligen hevellischen Burgmannen Pribislavs (peredwín = die versetzte; russ. = jemanden/etwas verschieben/verrücken/umstellen) auf dem Gebiet des heutigen Altstadt-Kietzes, wofür St Gotthardt als Pfarrkirche und St Marien als nahegelegene adlige Kirche und Grablege fungiert haben dürften.

 

These 3:

Beim Triglav-Kult, für den nach dem großen Slawenaufstand von 983 ein Heiligtum auf dem Harlungerberg errichtet worden war, handelte es sich um einen primitiven Versuch, den christlichen Gottestdienst auch ohne kirchliche Organisation (der erste Brandenburger Bischof, Thietmar, war bereits vor dem Aufstand [968?] von wendischen Untertanen erdrosselt worden, sein Nachfolger Volkmar 983 nach Leitzkau geflohen) fortzusetzen. In der frühslawischen Religionsgeschichte ist ein dreiköpfiger Gott einmalig und nur aus der christlichen Auffassung der Dreigestalt Gottes zu erklären. Die Pflege christlicher Riten durch die Westslawen nach dem allgemeinen Aufstand von 983 ist jedoch auch anderswo wahrscheinlich, so z.B. im Swantewit-Kult auf Rügen, der einem (1168 durch Kg. Waldemar I. von Dänemark zerstörten) vierköpfigen Götterbild galt und der wohl eindeutig aus pomoranisch-polnisch "Swiety Wit" als Heiliger Vitus (Veit) gedeutet werden kann. Vitus war der Hausheilige der sächsischen Kaiserdynastie der Ottonen (Aufbewahrungsort seiner Reliquie seit 836 die Ottonische Klosterkirche Corvey an der Weser), durch die die ostelbischen Gebiete dem Reich einverleibt worden waren. Auch die erste Kirche auf dem Prager Burgberg war dem heiligen Vitus geweiht und später durch den berühmten Veitsdom ersetzt worden. Ein Kopf des Swantewit-Idols kann als der des Heiligen Vitus interpretiert werden, die restlichen drei wiederum entsprechen der christlichen Dreieinigkeitslehre. Die radikale Ausmerzung der beiden Kulte galt also keiner konkurrierenden heidnischen Religion sondern dem Versuch, die christliche Religion ohne päpstliche und kaiserliche Bestätigung und außerhalb der katholischen Kirchenhierarchie auszuüben (also der "Häresie" - daher auch die mittelalterlichen Teufelssagen, die sichum den Harlungerberg rankten).

 

These 4:

Die enorme Heiligenverehrung um das angeblich wundertätige Marienbild, die seit dem Mittelalter und bis ins 15. Jh. die Berühmtheit der Brandenburger Marien-Wallfahrtskirche ausmachte, galt in Wirklichkeit ursprünglich dem Triglav-Idol und ging erst mit der weitgehenden Assimilation der slawischen Heveller zu Ende. Bis ins 17. Jahrhundert hielt sich in der Brandenburger Bevölkerung das Gerücht, in einem Anbau der östlichen Hauptapsis würde noch immer das Triglav-Idol aufbewahrt. Dies kann jedoch nicht zutreffen und würde auch der Praxis der katholischen Kirche widersprochen haben. Zwei in den durch Alphonse des VIGNOLLES nach 1689 angefertigten Aufmaßzeichnungen erkennbare Mauerfortsätze der Apsis lassen sich eindeutig als Stützpfeiler gegen das Abrutschen dieses dem Berghang zugekehrten Bauteils identifizieren.

 

These 5:

Bei den Ausschachtungsarbeiten von 1960 zum Bau eines Wasserhochbehälters wurden nicht nur ein bogenförmiger Streifen aus im oberen Bereich vermörtelten, im unteren trocken versetzten Feldsteinen (Fundament der Nord- oder Südapsis) und vier  quadratische Feldsteinsetzungen von gleicher Beschaffenheit (Fundamente der vier Hauptpfeiler) beseitigt sondern auch mehrere Körperbestattungen, bevor das Institut für Denkmalpflege durch den VEB Bau Brandenburg informiert wurde. Obwohl ein angeschnitten erhaltenes Grab von der neuzeitlichen Oberfläche aus eingetieft worden ist und deshalb den Kampfhandlungen am Ende des 2. Weltkrieges zugeordnet werden muss, besteht die Möglichkeit, dass es sich bei den anderen um die frühmittelalterlichen Überreste Pribislaws und seiner ebenfalls zum Christentum konvertierten Eltern handelte

(www.genealogiemittelalter.de/heveller_fuersten/pribislav_heinrich_koenig_der_heveller_+1150.htm1 ),

zumal zur Marienkirche zu keiner Zeit ein Friedhof gehörte.

 

These 6:

Ein durch Pribislaw nach seinem Übertritt zum Christentum und anlässlich seines Machtantritts 1127 herausgegebener Halbbrakteat (Denar, Hohlpfennig) zeigt auf dem Revers ein viertürmiges Gebäude mit drei deutlich sichtbaren Apsiden (die nördliche und südliche der drei Ostapsiden bewirkten bei den Osttürmen, dass deren Erdgeschossfenster nicht in der Fassadensymmetrie lagen, sie scheinen also einer früheren Bauperiode zu entstammen). Auch dies könnte ein Hinweis auf die Kirche als Grablege der Pribislav-Familie sein.

Der Berg im Wandel

Aber der Marienberg hat im Laufe der Jahrhunderte sein Aussehen  sehr verändert. Nach dem Abriss der Marienkirche durch den Soldatenkönig lag die Kuppe des Berges lange zeit öde und unbebaut im Lande. Er ließ dort 1723 Lärmkanonen aufstellen, die abgefeuert wurden, wenn Soldaten aus der Stadt desertiert waren. Der Schuß war dann das Signal für die Bürger sofort mit der Suche nach den Flüchtenden zu beginnen.[15]

 

Bis zu Beginn des 19. Jhs. dominierte der Weinbau auf dem Berge durch den Domstift und durch Bürger der Altstadt. Der nordwestliche Teil  wurde sogar „Weinberg“ genannt. 1801 gab es in Brandenburg  noch 62 Weinmeister und 35 Weinschenker. Der seit langem mit Weinreben, Getreide, Hackfrüchten und Obst bepflanzte karge Boden des Berges bot nun Getreide und Kartoffelfeldern mehr und mehr Platz.

 

1813 bauten preußische Landsturmleute Schanzen auf der Höhe auf, um die Stadt vor einem französischen Einfall zu schützen. Diese Verteidigungsanlagen kamen aber nie zum Einsatz, da die napoleonischen Soldaten südlich von Brandenburg nach Berlin gezogen und bei Großbeeren und Hagelberg geschlagen worden sind. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Okt. 1813 fanden auf dem Marienberg jährliche Gedenkfeiern an den Sieg statt.[16]

 

Erste gärtnerische Gestaltungen hingegen begann der Schornsteinfegermeister Johann Gottfried Bröse ab 1830 am Mariengrund. 1847 begann Bröse, der mehrere brandenburger Grünanlagen schuf, mit der Bepflanzung der baumlosen Kuppe der Berges. Die hierzu nötigen fast 1000 Liter Wasser brachte er täglich mit Hilfe zweier Esel auf den Berg, dazu fruchtbare Erde und Lehm. 

 

Um das Jahr 1831 nahm die Krone des Berges einen optischen Telegrafen der Linie Berlin- Trier auf, der dann zwei Jahrzehnte lang staatlichen Zwecken diente. Diese Anlage erlaubte es bei guter Sicht mittels sechs 1,5 Meter langer und verstellbarer, an einem hohen Gestell befestigter Hebelarme, die Übermittlung von kurzen Nachrichten der Regierung oder Armee von Berlin nach Trier innerhalb einer halben Stunde. Die nächsten Stationen standen auf dem Mühlberg in Kirchmöser und auf dem Telegraphenberg in Jeserig. Ausgediente Soldaten wurden mit der Handhabung der Anlage betraut. 1862 verkaufte die Stadt das Gebäude „auf Abbruch“ für 175 Taler, kurze Zeit später wurde es abgetragen.[17]

 

1844 war mit dem Bau der Gaststätte „Hohmanns Kaffeehaus“ (später Bismarckterrasse) begonnen worden. Im Mai 1855 wurde auch die Gaststätte „Börners Berg“ (Tivoli) am „Weinberg“ eröffnet. Noch im gleichen Jahr wurde in dem Etablissement eine Sommerbühne eingeweiht. Nachdem die Gebrüder Ahlert die Gaststätte gekauft und in „Ahlerts Berg“ umbenannt hatten, wurde am 17. Mai 1861 die einfache Sommerbühne zu einem Sommertheater mit einem hölzernen Bühnenbau umgestaltet. Dieses Theater, das über 580 Sitz- und 120 Stehplätze verfügte, zählte zwischen 1872 und 1900 zu den besten deutschen Sommertheatern überhaupt. Berühmte Schauspieler und Sänger des ausgehenden 19. Jhs. waren hier zu erleben. Auf „Ahlerts Berg“ fand in der 2. Hälfte des 18. Jhs. einer der ersten Freiballonaufstiege in Brandenburg statt.[18]

Das Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal auf dem Marienberg1870 entstand dann auf der gut besuchten Bergkuppe ein Rundweg. Nach den Einigungskriegen erwuchs in der brandenburger Bevölkerung der Wunsch, auf dem geschichtsträchtigen Berg ein vaterländisches Denkmal zu errichten, das die Brücke von uralter Vergangenheit zur Gegenwart schlagen sollte und den Aufstieg Brandenburg- Preussens zur Vormacht des deutschen Reiches schildern sollte. 1871 erhob man den Vorschlag dort oben ein Kriegerdenkmal zu errichten.  Am 20. April 1874 erfolgte dann auch die Grundsteinlegung des Kriegerdenkmals für die gesamte Mark Brandenburg auf dem höchsten Punkt des Berges. Das 23 m hohe Denkmal war zugleich ein Aussichtsturm und erinnerte auf mehreren Marmortafeln an die 3495 Gefallenen der märkischen Regimenter der Kriege von 1864, 1866 und 1870/ 1.

 

Das Kriegerdenkmal auf dem Marienberg[19]

 

Am 12. August 1880 konnte der vom Architekten Hubert Stier entworfene Bau durch den Kronprinzen festlich eingeweiht werden.Vor dem Denkmal wurden drei französische Geschütze aufgestellt, die 1871 erbeutet worden waren. An den vier Ecken standen Statuen, die Albrecht den Bären, Kurfürst Friedrich I., den Großen Kurfürsten und Kaiser Wilhelm I. repräsentierten. Bei gutem Wetter konnte man vom Denkmal bis nach Potsdam, Rathenow, Genthin, Tangermünde, Stendal, Nauen und Magdeburg schauen, insgesammt waren 17 Städte für den Eintritt von 10 Pfennigen zu sehen.

 

Am Mariengrund erbaute man 1884 die Adler- Brauerei. Zwischen 1893 und 1895 entstand auf dem Berge ein Wasserreservoir. Als Vorläufer des Städtischen Krankenhauses war um 1895 am Südhang des Berges eine Cholera- Baracke gebaut worden. Der anschließende, 1901 eingeweihte Krankenhauskomplex verfügte über vier Gebäude und insgesammt 150 Betten.

Die Bismarckwarte

Zu Beginn des 20. Jhs. bedeckte sich der Berg Dank heimatliebender Bürger mit geschmackvollen Grünanlagen, während die Höhe bisher fast nur Äcker und Gärten gezeigt hat. 1899 stiftete die Witwe des brandenburger Fabrikanten Robert Leue 50000 Mark für die Gestaltung des Marienberges, welches Herr Leue eigens für diesen Zweck vorgesehen hatte. 1903 erwarb die Stadt  8,5 Hektar des Landes vom Domkapitel und 1907 begann die Bepflanzung des ersten Abschnittes. 1908 wurde ein weiterer Wasserhochbehälter mit 10000 Liter Fassungsvermögen in Betrieb genommen. Neben gärtnerischen Anlagen und Sitzbänken wurde eine Pergola am Westhang gestaltet. Am Fuße des Berges entstand ein Vergnügungspark, der seit den sechziger Jahren ein Sommertheater in sich aufnahm. Auf dem Gelände des Theaters wurde ein katholisches Krankenhaus errichtet, das in den 20er Jahren ein neues stattliches Gebäude erhalten hat. [20]

 

Auf Initiative des Spielwarenfabrikanten Ernst Paul Lehmann wurde auf dem Berg eine Bismarckwarte nach den Plänen von Bruno Möhring erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. April 1905.  Am 1. April 1908 konnte der fast 30 m hohe Turm zusammen mit dem neu gestalteten südlichen Aufgang zum Berg vom Rosenhag aus, eröffnet werden. Der Architekt gestaltete den Turmkern der Bismarckwarte aus Klinkern und die Außenmauer aus Granitfindlingen. Im Innern des Turmes befand sich eine Gedenkhalle mit Feuerschale. Zu feierlichen Anlässen brannte hier ein weit scheinendes Feuer. Zwischen dieser Gedenkhalle und dem inneren Turm führte eine Treppe zur Aussichtsplattform hinauf. An der Vorderseite des Turmes war eine von Hugo Lederer geschaffene Büste Bismarcks angebracht.

 

Der wohl bekannteste Heimatforscher Otto Tschirch war veranlaßt 1928 zu schreiben: „So ist nunmehr der ganze Marienberg durch Zusammenwirken von Natur und Kunst zu einem erinnerungsreichen Anziehungspunkt für Einheimische und Fremde geworden.“ 1930 entstand ein weiterer Wasserhochbehälter, 1937 eine Rodelbahn am Nordhang und bis 1936 existierte eine provisorische Freilichtbühne.

 

Kriegerdenkmal und Bismarkwarte Brandenburg Havel

 

Im Hintergrund das Kriegerdenkmal, vorn die Bismarckwarte[21]

Kriegswirren

Mit dem Beginn des Krieges diente der Berg der militärischen Nutzung, die Bismarckwarte und die Gaststätte wurden zu Luftschutzräumen umfunktioniert. Von 1941 bis 1943 entstanden auf dem Gelände des Städtischen Krankenhauses ein Krankenhausbunker und ein Bettenbunker. In den letzten Apriltagen 1945 war der Marienberg das Zentrum der nördlichen Verteidigung von Brandenburg gewesen. Auf dem Plateau stand deutsche Artellerie, von wo aus die nördlich des Silokanals vorrückende Rote Armee bekämpft wurde. Luft- und Artelleriebeobachter saßen  seit Februar 1945 im Kriegerdenkmal. Bei heftigem sowjetischen Artelletiebeschuß wurde das Kriegerdenkmal zerstört und zwei Soldaten getötet, an der Bismarckwarte und in der Umgebung entstanden erhebliche Schäden. Am 30. April 1945 besetzten sowjetische Soldaten den Berg. Nach dem Krieg wurden viele Schäden wieder restauriert.[22]

 

Im September 1953 begannen die Planungen für die Freilichtbühne am Nordhang. Ab Mai 1955 waren hierfür täglich zwischen 50 und 60 freiwillige Helfer bei der Arbeit, ein Jahr später wurde die Freilichtbühne eröffnet und bot anfänglich 800 Plätze, nach Erweiterungsarbeiten aber ganze 4000 Plätze und blieb bis 1993 in Betrieb. Ende der fünfziger Jahre wurde auf dem westlichen Teil ein kleiner Heimattiergarten eingerichtet, der bald zum Anziehungspunkt für Familien wurde. Mit dem Bau des Wohngebietes Brandenburg- Nord, zwischen 1959 und 1973 verlor der Marienberg seine Stadtrandlage und bildet nunmehr ein Zentrum in der bewohnten Umgebung. 

 

Die Ruine des Kriegerdenkmals wurde im März 1960 abgetragen, um Platz für einen weiteren Wasserhochbehälter zu machen, der heute den Wasserdruck für die Löschwasserversorgung der Stadt sichert.[23]

Die Umbenennung der Bismarckwarte in „Friedenswarte“

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bismarckwarte umbenannt. Am 31. August 1958 erfolgte die Umbenennung des Denkmals von bisher „Bismarckwarte“ in nunmehr „Friedenswarte“. Die Büste des Reichskanzlers wurde von dem Relief einer Friedenstaube überdeckt.

Hierzu lesen wir in einem „Beschluß über die Umbenennung des Aussichtsturmes auf dem Marienberg“:

 

„Von der ständigen Kommission „Kunst und kulturelle Massenarbeit“ der Stadtverordnetenversammlung und der Abteilung Kultur wurde die Bevölkerung unserer Stadt aufgerufen, geeignete Vorschläge zur Umbenennung des Aussichtsturmes auf dem Marienberg zu unterbreiten.

Von 21 eingegangenen Vorschlägen aus der Bevölkerung und des Kreisfriedensrates entschieden sich allein 18 Stimmen für den Namen „Friedenswarte“.

Auf Grund der Beratungen mit dem Kreisfriedensrat und der ständigen Kommission für „Kunst und kulturelle Massenarbeit“ beschließt die Stadtverordnetenversammlung, den Aussichtsturm auf dem Marienberg in „Friedenswarte“ umzubenennen.

Die Namensverleihung erfolgt am Vorabend des Weltfriedenstages den 31.8. 1958 um 19.00 Uhr durch den Herrn Oberbürgermeister auf dem Marienberg.

 

Brandenburg (Havel), den 28. August 1958

Die Stadtverordnetenversammlung“*

 

Oberbürgermeister in Brandenburg war von 1965- 1976 Herr Reinhold Kietz. Herr Kietz dürfte also derzeit die Namensverleihung vorgenommen haben, allerdings konnte ich ihn nicht mehr aufsuchen, da er vor einiger Zeit verstarb.

Die Sprengung der ehemaligen Bismarckwarte und der Bau der neuen Friedenswarte

In den Jahren 1974/ 75 erfolgte die Umgestaltung des Marienberges zu einem 22 Hektar großen „Park der Kultur und Erholung“, so wurde etwa der seit 1941 bestehende Soldatenfriedhof beseitigt. Wegen angeblicher Baufälligkeit wurde diese nun seit 2 Jahren gesperrte Friedenswarte- die alte Bismarckwarte- am 22. März 1974 gesprengt und abgerissen, nur ihr Unterbau aus Feldsteinen blieb erhalten.[24]

 

Zu den Vorgängen um die Sprengung der alten Warte lesen wir im „Brandenburger Wochenblatt“ vom Mittwoch, den 24. März 2004 einen hochinteressanten Artikel:

 

„Kurzerhand hatte die SED- Kreisleitung und der Rat der Stadt dafür gesorgt, dass dieser markante Aussichtspunkt, der 1946 (!?) den Namen „Friedenswarte“ erhalten hatte, in die Luft gesprengt wurde. Kaum hatten sich die Staubwolken nach der Detonation verzogen, zeigte sich das ganze Ausmaß der Bilderstürmerei. In sich zusammengefallen das Zyklopenmauerwerk aus Feldsteinen; der Rundbau mit den Formziegeln sowie den Einfassungen aus Granit. Was im 2. Weltkrieg nicht vernichtet worden war, hatte nun die SED rund drei Jahrzehnte danach aus ideologischen Gründen besorgt. Vor allem bei älteren Havelstädtern schwang viel Wehmut mit, als sie in den nächsten Tagen erfuhren bzw. sehen mußten, dass „ihre“ Bismarck- Warte- diese Bezeichnung war noch immer allgegenwärtig- auf diese Weise in einen Schutthaufen verwandelt worden war. Nur die allerwenigsten Brandenburger hatten zuvor von dieser Sprengung gewußt. Sie war zur Geheimsache gemacht worden, fürchtete man doch den Unwillen der Bevölkerung. Allerdings kursierten schon etliche Zeit vorher Gerüchte über einen möglichen Termin der Liquidierung der trutzigen Warte. Anonyme Anrufe bei der SED- Kreisleitung konnten das Schicksal nicht abwenden. Der eingeschlagene Parteikurs wurde hinter fadenscheinigen Begründungen verborgen. Wahrscheinlich war die Sprengung schon zur Kreisdelegiertenkonferenz am 19. Januar 1974 beschlossene Sache. Am 31. Januar lag den Stadtverordneten  das Wettbewerbsprogramm „Schöner unsere Stadt- Mach mit“ vor. Innerhalb der Vorhaben, den Marienberg zum innerstädtischen Zentrum der Naherholung zu entwickeln (dagegen war wohl nichts einzuwenden), und das vorrangig bis zum 25. DDR- Geburtstag- eine schlichte kalendarische Zeitrechnung war ohnehin kaum noch Praxis- hieß es u. a.: „Wiederherstellung und Modernisierung der bauaufsichtlich gesperrten Friedenswarte“. Dahinter verbarg sich die beabsichtigte Beseitigung. Eine Reparatur, argumentierte man gegenüber den Abgeordneten, würde beträchtliche Bauarbeiter- Kapazitäten sowie um die 200000 Mark in Anspruch nehmen und etwa zwei Jahre dauern. Der Termin zum 25. DDR- Geburtstag wäre dabei verpasst worden. Mit dem Hinweis, “Die Betriebe der Stadt haben sich bereit erklärt, in industrieller Bauweise ohne Inanspruchnahme irgendwelcher Reparaturkapazitäten und mit finanzieller Hilfe die Friedenswarte zu rekonstruieren und zu modernisieren. Wir können damit zum 25. Jahrestag ein neues Objekt fertigstellen...“ Widersprüche noch und noch! Während dieser Stadtverordnetenversammlung traute sich natürlich keiner der 89 anwesenden Stimmberechtigten (von 120) dagegen etwas zu sagen. Somit gab es auch zur Beschlußvorlage 4/1/1974 die übliche Einstimmigkeit. Dann sank die Warte am 22. März 1974 durch Einsatz von vier Zentnern Sprengstoff in sich zusammen. Der Sprengmeister unmittelbar danach gegenüber einem Brandenburger Lokalredakteur: „Dieses Denkmal hätte noch mehrere hundert Jahre gestanden!“

 

Erst am folgenden Tag durften die hiesigen Zeitungen wie die „Brandenburgischen Neuesten Nachrichten“ vermelden: „Die Friedenswarte wurde am Freitag um 11. 45 Uhr gesprengt“.

 

Wohl nirgendwo in Brandenburg wurde an einem Montag (es war der 25. März) so schnell auf einer Baustelle gearbeitet wie auf dem Marienberg. Auch die Sowjetarmee rückte mit schwerer Technik, vor allem zum Beräumen, an. Schon gleich nach Ende des Krieges hatte die übereifrige Stadtverwaltung ein sowjetisches Sprengkomando angefordert. Es sollte im Zuge der „Bilderstürmerei“ dieser Zeit die Bismarck-Warte dem Erdboden gleichmachen. Doch der Kommandeur argumentierte, dass Brandenburg wohl schon genug Trümmer habe...“[25]

 

Auf dem selben Unterbau aus Feldsteinen wurde anschließend der Turm unserer heutigen Friedenswarte errichtet, welcher 1974 zum 25. Jahrestag der DDR fertiggestellt wurde. Die Friedenswarte wurde gebaut nach einem Konzept von Günter Franke und Wolfgang Schoppe. Der nach ihnen errichtete 32,5 m hohe Aussichtsturm besitzt einen zylindrischen Schaft in Betonkonstruktion, um welchen fünf offene und fünf mit Glas geschlossene Plattformen angeordnet sind. Innen geht für Auf- und Abstieg jeweils eine separate Wendeltreppe, die sich beide wie eine Doppelhelix den Turm emporwinden. Diese heute noch aufrecht stehende Friedenswarte wurde am 7. Oktober 1974 eingeweiht.**

 

Friedenswarte Brandenburg an der Havel - MarienbergAuf der südlich abfallenden Rasenfläche vor dem Turm befindet sich seit 1963 die Skulptur “Frieden“ von Karl Mertens, die eine Mutter mit ihrem Kind in Bronze darstellt.**

 

Mit der Errichtung der Friedenswarte, die als neues Wahrzeichen weithin sichtbar ist und insbesondere von der Hauptstraße und der Jahrtausendbrücke aus einen Blickpunkt bildet, erfolgte eine neue symbolische Besetzung des Marienberges. **

 

Der Marienberg ist ein Erholungsgebiet inmitten der Stadt geworden, er lockt zum Spazierengehen und zu diversenVergnügungen. Neben der Friedenswarte lädt eine schmucke Gaststätte zu Speis und Trank. Die Freilichtbühne am Nordhang schlummert derzeit noch im Dornröschenschlaf, das Schwimmbad am Westhang jedoch, das „Spassbad“, erfreut sich reger Beliebtheit. Es bietet den Menschen heute das Wasserelement für allerlei spielerische und sportliche Betätigungen dar.

 

Der Marienberg hat eine Höhe von 79 Metern und ist somit die höchste Erhebung der Stadt. Die Friedenswarte ist nochmals 32,5 Meter hoch, sie ist über die 180 Stufen der Wendeltreppe zu erklimmen. Die körperlichen Mühen bei der Besteigung von Berg und Turm werden durch keinerlei technische Einrichtungen erleichtert, aber der Ausblick lohnt sich- bei gutem Wetter kann man die wasserreiche Umgebung betrachten und das Auge bis nach Potsdam und bis in den Fläming ausweiden. Um die Windverhältnisse etwa für Segelregatten zu ermessen, die ja auf dem Beetzsee regelmäßig stattfinden, kann man den Blick von der Friedenswarte getrost empfehlen. Der vom Heuschnupfen geplagte übersteigt hier bisweilen die Sphäre seiner Beschwerden, ihm wird empfohlen, hier die Nase in den Wind zu halten. 

 

Um das nun gewonnene geschichtliche Bild vom Berge noch etwas abzurunden, möchte ich  noch ein Textlein aus „Blätter zur Heimatpflege“ vom Lehrer- und Lehrerinnenverein Brandenburg (Havel) e.V. aus dem Jahre 1923 wiedergeben. Hier wird auf den Seiten 63- 65 das Treiben auf dem Marienberg folgendermaßen in verschiedenen Zeiten geschildert:

Unser Marienberg einst und heute

„Und aber nach fünfhundert Jahren

Kam ich desselben Weges gefahren.“

Rückert, Childher                                      

 

Friedrich Rückert erzählt uns in einem seiner Gedichte von „Childher, dem ewig jungen“, der alle fünfhundert Jahre dieselbe Gegend aufsucht und diese jedesmal ganz verwandelt wiederfindet. Im Geiste wollen wir heute einmal wie Childher unseren Marienberg in Abständen von fünfhundert Jahren aufsuchen und sehen, welches Bild sich dabei jedesmal dem Auge bietet.

Um 400

Es ist Sommer. Wir stehen am Fuße des Harlunger Berges. Die warmen Strahlen der Sonne haben alle Nebel, die sonst fast ständig über der Havelniederung lagern, vertrieben. Der Berg ist mit stattlichen Eichen bestanden, die ein Heiligtum der Göttermutter der Germanen, der Göttin Freia, einschließen. Wald umgibt uns, soweit wir blicken können. Träge fließt die Havel zwischen sumpfigen, schilfreichen Ufern dahin. Nur vereinzelt sieht unser Auge mit Gerste, Flachs und Rettichen bebaute Felder. Auf der Insel zwischen den Havelarmen liegt eine kleine germanische Ansiedlung, die durch einen festen, hohen Zaun aus dicken Baumstämmen geschützt ist. Sie besteht aus mehreren strohgedeckten und mit gebleichten Pferdeschädeln gezierten Hütten. Durch Niederbrennung des Waldes haben einst an dieser Stelle die ersten Ansiedler das freie Land gewonnen. (Name unserer Stadt!)

 

Aus dem Walde tritt jetzt eine Schar von Germanen, die von der Jagt heimkehrt. Ein Auerochs und ein gewaltiger Bär sind die Beute. Die Frauen erscheinen vor den Türen ihrer Hütten. Halbnackte Kinder eilen dem Zug entgegen und umspringen jubelnd die Träger der riesigen Tiere im fröhlichen Verein mit den laut bellenden Hunden.

Um 900

Der Winter ist ins Land gekommen. Von der Höhe des Berges schauen wir hinab ins ebene Land, das noch mit viel Wald bedeckt ist. Nicht weit von unserem Standort erhebt sich der Tempel des Wendengottes Triglaf. Denn Wenden sind jetzt die Herren des Landes. Im Tempel steht das Bild des Triglaf, des dreiköpfigen Gottes, der um Augen und Mund ein verhüllendes Band trägt. Damit soll angedeutet werden, dass der barmherzige Gott die Sünden der Menschen nicht sieht und sie nicht weitersagt. Ein prächtiges, schwarzes Roß wird in dem Tempel gehalten. Wenn über Krieg und Frieden oder eine andere wichtige Angelegenheit entschieden werden soll, wird es über eine Reihe niedergelegter Speere geführt. Aus den Huftritten des Tieres erkennt der Priester dann den Willen Triglafs. Auf der Havelinsel sehen wir eine starke wendische Feste. Jetzt, wo das Land weit und breit mit Eis bedeckt ist, ist dieser sonst schwer einnehmbare Ort leicht zu gewinnen. Darum erblicken wir auf den Wällen zahlreiche Wachtpfosten, die scharfe Ausschau halten, ob nicht etwa ein Feind nahe.

 

Eine größere Anzahl von Männern geht auch jetzt im Winter ihrer Hauptbeschäftigung, dem Fischfang, nach. Wir sehen, wie sich die Gestalten um große, ins Eis gehauene Löcher bewegen und die gefüllten Netze aus dem Wasser ziehen. Durch die stille, frostklare Winterluft hören wir deutlich ihr Schreien und Rufen.

Um 1400

Ein heiterer Herbsttag ist heute. Weit ins Land hinein grüßen die vier mit goldenen Kugeln gezierten Türme der Marienkirche, die sich jetzt auf dem Marienberge erhebt. In Form eines griechischen Kreuzes, bei dem alle vier Arme gleichlang sind, ist die prächtige Kirche erbaut. Sie ist ein viel besuchter Wallfahrtsort; denn sie birgt ein wundertätiges Gnadenbild der Jungfrau Maria.

 

Wir treten durch das Rathenower Tor aus der Altstadt, deren Stadtmauer sich dicht am Fuße des Berges hinzieht, und steigen ihn langsam hinan. Bald übersehen wir die beiden Städte Alt- und Neustadt Brandenburg mit ihren schützenden Mauern und Tortürmen und hohen Türmen ihrer Rathäuser, Kirchen und Kapellen. Bis nahe an die Stadtgrenze heran zieht sich der Wald.

 

Wir selbst befinden und jetzt mitten in den Weinbergen, die den Abhang des Marienberges bedecken. Um uns herum herrscht ein fröhliches Leben und Treiben. Denn es wird Weinlese gehalten. Frauen und Männer sind in den Weingärten damit beschäftigt, die Trauben zu schneiden. In Tonnen, Bütten und Körben wird die reiche Gabe des Herbstes zu den unten harrenden Wagen getragen, die sie nach den Kelterhäusern bringen, welche überall vor den Toren der Altstadt liegen. Gesang und Jubel erfüllen die Luft.

1923

Frühling über dem Havelland!

An den plätschernden Springbrunnen vorbei lenken wir unsere Schritte den Marienberg hinan. Wir durchschreiten den prächtigen Rosengarten, in dem wieder tausende Rosen blühen und duften. Nun stehen wir vor der aus Findlingen der märkischen Heimat erbauten Bismarckwarte. Links wenden wir unsere Schritte dann nach dem Leuepark. Den Namen hat er von seinem Gründer erhalten, dessen Denkstein mitten zwischen Blumen und blühenden Sträuchern steht. Wir durchwandern weiter die ganzen Anlagen des Berges, der einem großen Parke gleicht, und befinden und schließlich auf seiner Höhe zu Füßen des Denkmals, das zur Erinnerung an die in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Kurmärker errichtet worden ist. Ihre 3400 Namen stehen auf Marmortafeln an den vier Seiten des Denkmals  verzeichnet. Es gleicht einem Turme, der oben eine mit goldenem Kreuze gezierte Krone trägt, in der sich ein Aussichtsraum befindet. Vier Reliefs, die Begebenheiten aus der engeren und weiteren Geschichte unserer Vaterstadt und der Mark Brandenburg darstellen, schmücken das Denkmal. Die Standbilder Albrecht des Bären, des Kurfürsten Friedrich 1., des Großen Kurfürsten und Wilhelms 1. halten an den Ecken des Baus Wacht. Acht Wappen märkischer Städte umgeben es.

 

Und nun betreten wir das Innere des Turmes und steigen empor bis zum Aussichtsgemach. Da liegt sie zu unseren Füßen, die Stadt mit ihren Türmen und rauchenden Fabrikschornsteinen, umschlungen vom Silberband der Havel. Drei große Seen schaut unser Auge, den Plauer See, Beetzsee und Rietzer See. Am Horizont sehen wir die Türme von siebzehn Städten, darunter im Osten Potsdam und Nauen, im Westen Magdeburg, Tangermünde und Stendal. Vom Spielplatze vor dem Kaffeehause her hören wir das Jauchzen fröhlich spielender Kinder. Aus der Ferne schrillt der Pfiff einer Lokomotive an unser Ohr, und ihre Rauchwolke verschwindet gerade im dunklen Walde.

 

 

„Und aber nach fünfhundert Jahren?“

 

Willi Schwill                                          

 

Die hier zusammengetragenen Informationen können keine gründliche Widergabe der Geschichte sein. Wer aber immer es besser weiss und ergreifender darstellen kann, der ist gebeten und herzlich eingeladen, uns hier an seinem Talent teilhaben zu lassen.

 

 Norbert Böhm

 

 

 

 

*Vom brandenburger Stadtarchiev freundlich zur Verfügung gestellt: Protokoll der Ratssitzung vom 27.08.1958

 

**aus „Stadtführer der Chur- und Hauptstadt Brandenburg“ 1992, S. 53- 55, vom brandenburger Stadtarchiv gern bereitstellt

[1] Vgl. Broschüre „Der Marienberg zu Brandenburg an der Havel“ hersgeg. von der BAS 2000 und von Herrn Brekow freundlich zur Verfügung gestellt (im Folgenden mit „B.“ = „Broschüre“ abgekürzt), Seite 3

 

[2] vgl. B. S. 3 oder das Büchlein  „Sagen und Geschichten der Stadt Brandenburg“ von Mathias Paselk- eine empfehlenswerte, abenteuerliche Sammlung der erhaltenen Mythen, S. 8

 

[3] vgl. B. S. 4;  Otto Tschirch: „Geschichte der Chur- und Hauptstadt Brandenburg“ 3. Aufl. 1941, 1. Bd. S. 6/7

 

[4] vgl. B. S. 5

[5] vgl. B. S. 5& 6

[6] vgl. B. S. 6

[7] vgl. Tschirch , 1. Bd. S. 31

 

[8] Broschüre, S. 6. Hier scheint die Broschüre aus Otto Tschirch zu entlehnen und Einwände werden laut. Tschirch schreibt nahe der damaligen (1941) nationalen Ideologie und in diesem Licht leuchten seine architektonischen Fehlinterpretationen. Der Architekt Günther Böhm rät hier zur vergleichenden Lektüre von Paul Eichholz: „Die Kunstdenkmäler von Stadt und Dom Brandenburg“.

 

[9] aus Tschirch, 1. Seite

[10] vgl. Tschirch; 1. Bd. Seite 31/32

[11] B. S. 6/ 7

[12] Tschirch, 1. Bd., S. 178

[13] B. S. 8

[14] Tschirch, 2. Bd., S. 3

[15] vgl. B. S. 13

[16] vgl. B. S. 14 &15

[17] vgl. B. S. 16 &17

[18] vgl. B. S. 18

[19] Aus: „Brandenburg so wie es war“ von Klaus Heß, S. 90

[20] vgl. Tschirch, 2. Bd. Seite 227/228

[21] aus Klaus Hess, S. 88

[22] vgl. B. S. 26

[23] vgl. B. S. 27

[24] vgl. B. S. 29

[25] mit freundlicher Genehmigung aus der BRAWO entnommen